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Geplante neue Sicherheitsverordnung hebelt deutsche Traditionsschifffahrt aus
15.09.2016
Viele alte Segel, Dampf- und Motorschiffe werden unter den neuen Anforderungen des Verkehrsministeriums nicht mehr fahren können.

Geschwaderfahrt. Foto: Monika Kludas

Müssen die "Vorschriften über Bau und Ausrüstung von Traditionsschiffen" so umgesetzt werden, wie der Entwurf des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) es jetzt fordert, wird die Flotte der mehr als einhundert alten Schiffe bald von unseren Küsten verschwinden. Damit wäre das maritime Kulturerbe um einen gesellschaftlich relevanten Faktor ärmer. Für unsere Häfen sind die Traditionsschiffe zudem touristisch und wirtschaftlich von Bedeutung. Die Zahl der teilnehmenden Schiffe an großen Hafenfesten (z.B. Hamburger Hafengeburtstag, Kieler Woche, Hanse Sail Rostock, Sail Bremerhaven) würde drastisch sinken.

Die bisherige Sicherheitsrichtlinie berücksichtigte den Sonderstatus der zum großen Teil über einhundert Jahre alten Fahrzeuge. Jetzt sollen weite Teile der Vorschriften an die Berufsschifffahrt angeglichen werden. Sie bestimmen nicht nur, wie die historischen Segel-, Dampf- und Motorschiffe gebaut und ausgerüstet sein müssen, sondern auch, dass die ehrenamtlichen Besatzungen Qualifikationen ähnlich wie Berufsseeleute besitzen müssen. Für die privaten Eigner und Betreibervereine ist die Verordnung aufgrund der traditionellen Bauweise ihrer Schiffe nicht umzusetzen. Auch der geforderte zeitliche und finanzielle Mehraufwand für Aus- und Fortbildungen in ihrer Freizeit ist nicht machbar. Das gilt ebenso für die Sail-Training-Schiffe in den als gemeinnützig anerkannten Vereinen.

Die Zukunft der Traditionsschiffe unter deutscher Flagge ist damit gefährdet. Die Gemeinsame Kommission für historische Wasserfahrzeuge (GSHW) als Interessenverband der Traditionsschiffe erarbeitet zur Zeit eine ausführliche Stellungnahme, in der sie die geforderten Sicherheitsvorschriften bewertet und gleichwertige Lösungsvorschläge aufzeigt.