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Kurz vor knapp
07.09.2017
Sommerhochwasser an der Aller fiel letztendlich weniger verheerend aus als befürchtet

Trockenen Fußes kam in Verden ein paar Tage lang niemand zu seinem Boot, um die Leinen entsprechend dem aktuellen Wasserstand zu verkürzen oder zu verlängern. (Foto: Kanning)

 

Draußen an den Schwimmstegen zerren die Boote an ihren Leinen. Den Bug des vordersten Bootes umspült laut gurgelnd und heftig strudelnd der Fluss. Treibgut passiert in fliegender Eile die Anlage, manchmal treiben riesige Baumstämme und ganze Schilfinseln vorbei. Die Boote sind nur noch nassen Fußes erreichbar. Die Schwimmstege haben sich nach oben verlagert, die Zugänge stehen unter Wasser. Im kleinen Hafenbecken bietet sich dagegen ein Bild der Ruhe: Viele Boote wurden vor Tagen noch schnell über die Slipanlage ins Trockene gebracht. Die verbliebenen Boote schwojen zwischen versunkenen Stegen wie Spinnen im Netz, gut vertäut nach allen Seiten. Die Leinen werden regelmäßig auf den neuesten Wasserstand gebracht. So sieht es aus, das Sommerhochwasser 2017 an der Aller.

Während die Sportboothäfen an der Mittelweser vor allem mit der heftigen Strömung zu tun hatten, boten an der Aller die steigenden Pegel Anlass zur Sorge. Zwar wurde ein Teil der verheerenden Regenfälle Ende Juli in den Talsperren des Harzes aufgefangen, aber es spülten immer noch enorme Wassermengen über Oker und Leine in die Aller. Auch eine Woche nach den Regenfällen stieg von Celle bis Schwarmstedt, wo die Leine auf die Aller trifft, der Pegel noch kontinuierlich.

Dieses Mal ein großer Vorteil im komplexen Gefüge der Wasserstände: An der Weser fiel das Wasser schon wieder, als die Scheitelwelle der Aller ihre Mündung erreichte. Kommen hier erhöhte Wasserstände aus beiden Flüssen zusammen an (wie im Sommer 2013), dann kann das Wasser der Aller nicht ungehindert abfließen, und es gibt einen Rückstau. „In dem Fall kommen wir auf normalem Wege nicht mehr zur Anlage, weil die Straße überschwemmt”, erklärt Wilfried Kirschner, Vorsitzender des Verdener Motorboot-Vereins. Dann geht es nur noch in Wat- oder gleich in Badehosen zur Anlage – oder im vorsorglich deponierten Tender-Boot. Wenn das Hochwasser 2017 letztendlich auch glimpflich verlaufen ist, die Pegelstände waren an der Aller beachtlich. Die Scheitelwelle Anfang August betrug 5,37 Meter in Verden-Eitze, da war das Wasser fast doppelt so hoch unterwegs wie in den Wochen zuvor (2,70 m).

Der kleine Hafen in Westen bei km 98,6 hatte sich schon eine Woche zuvor gegen das Hochwasser gewappnet, die Boote aufgeslippt, die Anleger gesichert und die Fähren gut vertäut. Auch die solarbetriebene „Marie Hoffmann“ harrte dort der Dinge, die da kommen würden.

An der Mittelweser behielten die Wassersportvereine in Hoya und Dörverden ihre in der Strömung liegenden Schwimmstege gut im Auge. In „Palm Beach“ waren die stromaufwärts gelegenen Liegeplätze einige Tage gesperrt: „Zu sehr strudelt das Wasser dort um die Kurve”, erklärte Hafenmeisterin Magret Buse. Einige Gäste wurden abgewiesen – zu ihrer eigenen Sicherheit und um die Anlage zu schonen. Es waren ohnehin nur wenige Boote unterwegs, entweder im Schleichtempo gegen die Strömung oder in rasanter Talfahrt.

Inzwischen hat sich das Hochwasser längst in Richtung Tidengewässer davongemacht und erleichterte Sportbootbesitzer zurückgelassen. „Bei aller Sorge um Boot und Anlage – man hat doch nicht vergessen, dass dort, wo das Wasser herkam, die Sache längst nicht so glimpflich abgelaufen ist wie bei uns!”, bringt ein Bootsbesitzer in Verden es auf den Punkt. Viele Kommunen, Hausbesitzer und Landwirte können mit dem Hochwasser 2017 nicht so versöhnlich abschließen wie die Bootfahrer an Aller und Mittelweser. (Ulla Kanning)

 

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